Tagesfahrt Magdeburg
Am Sonnabend, dem 9. September 2006 war es wieder soweit. Die Schwimmgemeinschaft Steglitz machte mit 43 Teilnehmern ihren jährlichen Busausflug. Ziel war diesmal Magdeburg, die Hauptstadt des Landes Sachsen-Anhalt. Schon während der Busfahrt erfuhren wir von unserer Reiseleiterin, Frau Kose, etwas über die Elbe und die Wichtigkeit des natürlichen Flussbettes für die Tierwelt, insbesondere die Biber, und über die Geschichte Magdeburgs.
Magdeburg war die Stadt Kaiser Otto I. (912 – 973). Er wurde der Große genannt, weil er 955 die Ungarn auf dem Lechfeld schlug und die Ostgrenze u. a. durch Gründung des Erzbistums Magdeburg (968) gegen die Slawen sicherte. Er lebte allerdings viele Jahre in Italien, ließ sich 962 vom Papst zum Kaiser krönen und ist erst 972 zurückgekehrt. Ein Ausgangspunkt des späteren „Heiligen Reichs Deutscher Nation“, dass erst im Jahre 1806 durch Napoleon beendet wurde. Otto I. ist im Magdeburger Dom begraben. Der Dom war dann nach einer kleinen Stadtrundfahrt auch unser erstes Ziel.
Anschließend besichtigten wir die von Hundertwasser entworfene, erst 2005 fertig gewordene „Grüne Zitadelle von Magdeburg“ mit ihrer farbenfrohen, durch Säulen unterbrochenen Fassade, fast 900 verschiedenen Fenstern, Goldkugeln und Bäumen auf den Dächern. Hundertwasser hat seine Architektur neben der natürlichen Haut und der Kleidung, die dritte Haut des Menschen genannt. Magdeburg war im zweiten Weltkrieg noch 1945 stark zerstört worden. Das merkt man an den vielen unterschiedlichen und meist gradlinigen Nachkriegsbauten, quasi ein Sammelsurium von Baustilen.
Das Hundertwasserhaus macht den Kontrast deutlich zu den Nachkriegsbauten und zu den erhaltenen alten Bauten, wie das Kloster Unser Lieben Frauen (gegr. 1015-18) mit seinem weitgehend erhaltenen Kreuzgang, oder zur Hauptpost, und dem Rathaus am Alten Markt.
Dort vor dem Rathaus steht auch das Wahrzeichen Magdeburgs: Otto I. als goldener Reiter (Original im Museum).
Dort ist auch das Denkmal des wohl bekanntesten Sohnes Magdeburgs: Otto von Guericke (1602-1686). Er war im und nach dem Dreißigjährigen Krieg Bürgermeister von Magdeburg und hat die von Tilly zerstörte Stadt wieder aufbauen lassen. Bekannt ist er aber als Physiker und Erfinder. Er hat u. a. die Vakuum-Luftpumpe erfunden und hat die Kraft des Luftdrucks eindringlich dadurch bewiesen, dass er zwei hohle und luftleer gepumpte Halbkugeln zusammenfügte (erstmals 1657 in Magdeburg), die sich wegen des Luftdrucks von außen auch von 16 kräftigen Pferden nicht auseinander ziehen ließen. Dieser Versuch ist als „Magdeburger Halbkugeln“ ein Begriff geworden (Gibt es übrigens auch als Mitbringsel in Schokolade bei der Tourist-Information in der Ernst-Reuter-Allee 12.)
Unter den Augen Ottos des Großen haben wir dann im Ratskeller unser Mittagbrot eingenommen. Es war alles vorherbestellt und hat hervorragend geklappt. So gestärkt fuhren wir mit dem Bus durch das Hafengelände zu unserem zweiten Ziel: Dem Wasserstraßenkreuz bei Magdeburg. Interessant waren das stillgelegte Schiffshebewerk Rothensee und die stattdessen gebaute Sparschleuse, die 60 % Wasser durch das Prinzip der kommunizierenden Röhren spart. Sie eröffnet auch größeren und längeren Schiffen die Fahrt nach Magdeburg.
Noch interessanter war die nach der Wende völlig neu gebaute 918 m lange Kanalbrücke über die Elbe (228 m) und wegen des Hochwassers der Elbe auch über das Vorland (690 m). Vorkriegsbauten konnten nicht genutzt werden. Die Kanalbrücke verbindet den Mittellandkanal mit dem Elbe-Havel-Kanal, so dass die Schiffe nach und von Berlin nicht mehr auf dem Umweg über die Elbe geschleust werden müssen. Sie sind damit nicht mehr von deren unterschiedlichem Wasserstand abhängig. Der Höhenunterschied zwischen Mittellandkanal und Elbe-Havel-Kanal (18,55 m bei Normalwasserstand) wird durch eine auch völlig neue Doppelschleuse in Hohenwarthe ausgeglichen, die ebenfalls als Sparschleuse arbeitet. Eine riesige Anlage, bedient von einem Mann. Eine sehenswerte und beeindruckende Gesamtkonstruktion, die man auch mit einem Schiff abfahren kann (4 ½ Stunden).
Dazu hatten wir natürlich keine Zeit. Wir haben im Deutschen Haus in Hohenwarthe unsere inzwischen auch verdiente Kaffeepause gemacht. Der Kaffee und vor allen Dingen der hausgebackene Kuchen waren hervorragend. Anschließend zeigte uns unsere Reiseleiterin ein architektonisch reizvolles Kleinod in ihrer in der Nähe gelegenen Heimatgemeinde Niegripp: Eine Kreuzkirche nach griechischer Art, die vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm 1732 für seinen Sohn Heinrich, dem Bruder Friedrich des II., des Großen, errichtet wurde. Dort überraschte uns Frau Kose mit ihrem Orgelspiel und Gesang. Ein schöner Abschluss für einen Tag voller Eindrücke.
Die Heimfahrt über Burg, der Herkunftsstadt von Krafts Knäcke und der Schuhfirma Tack, war dann bald geschafft. Gegen 20 Uhr trafen wir an unseren Ausgangspunkt am Lankwitzer Rathaus wieder in Berlin ein.
Neben dem Dank an unseren umsichtigen Fahrer Mike und der kompetenten und liebenswürdigen Reiseleiterin Frau Kose von der Firma Wörlitz Tourist gebührt großer Dank unserer Sportfreundin Traute Schulze, die wieder alles hervorragend organisiert hat. Selbst an Pausen-Häppchen für uns alle hatte sie gedacht.
Bericht und Fotos: Joachim Rösener
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